Nov 29 2005

Wachstum: Schweiz hinkt hinterher — Na und?

Die OECD ist bezüglich des Wachstums der Weltwirtschaft vorsichtig optimistisch. Besonders Deutschland soll vom Aufschwung profitieren. Für die Schweiz wurden die Prognosen jedoch gesenkt. Die Pariser Fachleute rechnen für den gesamten OECD-Raum für 2005 mit einem realen Wachstum von 2.7 Prozent und für die nächsten zwei Jahre mit 2.9 Prozent. Die Schweiz hinkt aber hinterher; dieses Jahr konnte sie ein Wachstum von 1.2 Prozent verzeichnen, für die nächsten zwei Jahre werden Raten von 1.7 beziehungsweise 1.8 Prozent erwartet. Die Schweiz fällt somit auch hinter das Mittel des Euroraraumes zurück, welches 2.1 Prozent betragen soll.

Die Empfehlungen der Pariser Experten sind mir sehr sauer aufgestossen: Um die Wachstumsraten zu erhöhen sei die Kontrolle der Staatsausgaben weiter zu verstärken. Dies habe vor allem im Sozialbereich zu geschehen.

Wollen wir es also auf uns nehmen, die Schwachen in der Gesellschaft weiter zu benachteiligen nur damit wir mit der Wachstumsrate vorne mithalten können? Wäre es nicht an der Zeit, ein neues Mass für die Fitness der Wirtschaft zu finden, welches auch die soziale Verantwortung und die nachhaltige Nutzung der Ressourcen in die Bewertung einbezieht? Wie der Club of Rome bemerkt, kann bei endlichen Ressourcen nicht unendliches Wachstum erwartet werden, deshalb wird das Wachstumsdenken früher oder später an seine eigenen Grenzen stossen.

Da es so schön heisst “Global denken, lokal handeln” empfehle ich für Zürich die Wahl von Bastien Girod, der sich den Kampf für eine soziale, nachhaltige und somit zukunftsfähige Wirtschaft auf die Fahne geschrieben hat.

Links:


Nov 28 2005

Lesenswerter Artikel über den Weltklimagipfel in Montreal

Auf Spiegel.de wurde heute ein lesenswerter Artikel zum Weltklimagipfel in Montreal veröffentlicht. Dort beraten Politiker und Umweltschützer über technische Mittel mit Hilfe welchen die Klimaveränderung bekämpft werden soll. Die Möglichkeit, das Kohlendioxid im Untergrund zu lagern (Sequestrierung — das IPCC hat vor kurzem auch einen Bericht darüber herausgegeben) wird auch diskutiert.


Nov 27 2005

Konsumenten wollen keinen Gentech-Food auf ihren Tellern

Trotz der Angstmacherei liberaler Kreise (“schädliches Signal an den Innovationsstandort Schweiz”, “Gefahr für Arbeitsplätze” [1]) werden sich die Schweizer voraussichtlich klar für ein fünfjähriges Gentechmoratorium aussprechen. Ich freue mich über diesen Entscheid und hoffe, dass die Diskussion über die Vor- und Nachteile von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) von wissenschaftlicher Seite her nochmals neu aufgerollt wird.

Die Konsumenten wissen zuwenig über Gentechnologie. Die elitäre Attitüde mancher Wissenschaftler im Bezug auf die Gefahren und Probleme von Gentech hat sicher nichts zur offenen Informationsverbreitung beigetragen.

Links

[1]: O-Ton Medienmitteilung des überparteilichen Komitees Gentech-Moratorium NEIN


Nov 25 2005

Autos werden immer stärker, Bund schaut untätig zu

Heute im Tagesanzeiger: Autos werden immer stärker:

Weit über eine halbe Million Autos sind im Kanton Zürich zugelassen. Bei diesem Fuhrpark ortet das Statistische Amt zwei Trends: Es gibt immer mehr Diesel-Fahrzeuge und der Hubraum der Motoren nimmt stetig zu. [...]

In den letzten Jahren erlebten zwei Fahrzeugtypen einen wahren Boom: die Grossraumlimousinen, auch Vans genannt, und die grossen, als Sports Utility Vehicles (SUV) bezeichneten Offroader. [...]

In der Tat haben laut Statistik geräumige und starke Autos zwischen 1999 und 2004 massiv zugelegt. Während der gesamte Personenwagenbestand um rund 7,5 Prozent anstieg, erhöhte sich die Zahl der «Geräumigen» um 40,3 und diejenige der «Starken» gar um 73,1 Prozent. Entsprechend haben die Anteile dieser Typen an der Zürcher Autoflotte zugenommen. 2004 waren 6,8 Prozent aller Fahrzeuge den «Geräumigen» und 1,7 Prozent den «Starken» zuzurechnen.

Wann ist endlich Schluss mit diesem Unsinn? Der Bund ist zwar nicht gänzlich untätig, schliesslich will er umweltschonende Treibstoffe tiefer besteuern. Dort findet er allem Anschein nach Freude an marktwirtschaftlichen Instrumenten. Für das Erreichen der im Kyoto-Protokoll festgeschriebenen Klimaschutzziele müsste aber der Durchschnittsverbrauch der schweizerischen Fahrzeugflotte massiv gesenkt werden. Das Gegenteil geschieht, wie man sieht. Trotz technischen Neuerungen und Effizienzverbesserungen nimmt der Verbrauch nicht ab, sondern zu — wegen dem Boom der schweren und starken Autos, welche in den Städten die Strassen verstopfen und Fussgänger und Fahrradfahrer übermässig gefährden.

Der Bund tut aber noch immer viel zu wenig. Vor zwei Tagen konnte man in der NZZ lesen, dass der Bundesrat auf eine Abgabe für schadstoffreiche Autos verzichten will. Er begründet sein Vorgehen mit einer Verkomplizierung des Steuersystems. Zugleich ist er von der Wirkung der höheren Abgabe nicht überzeugt. Warum sollen die marktwirtschaftlichen Instrumente plötzlich keine Wirkung mehr haben?

Die wenigen Rappen (das Klima ist mehr Wert als einige Rappen!) welche das Benzin durch die Förderung umweltschonender Treibstoffe teurer werden wird werden in den täglichen Schwankungen des


Nov 25 2005

Klimapolitik und Klimaforschung zum x-ten

Die aktuelle Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre ist 27% höher als der höchste aufgezeichnete Stand in den letzten 650000 Jahren. Dies fanden Forscher bei der Analyse eines Eisbohrkerns aus der Antarktis heraus. Die Eisbohrkerne bestehen zu etwa zehn Prozent aus eingeschlossenen Luftbläschen deren Zusammensetzung genau analysiert werden kann. Die Untersuchung ergab auch einen engen Zusammenhang zwischen Klima und Treibhausgaswerten in der Erdgeschichte. Da die Erhöhung der CO2-Konzentration klar auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückgeführt werden kann wurde somit ein weiterer Hinweis auf den anthropogenen Ursprung der Klimaveränderung gefunden wurde. Der Treibhausgas-Ausstoss wird zudem laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen nicht sinken, sondern drastisch ansteigen.

Die Wissenschaft ist aber nicht untätig: Ein ehemaliger Erdgasspeicher bei Berlin soll mit Kohlendioxid gefüllt werden. Die Einlagerung von Kohlendioxid im Untergrund kann die atmosphärische Konzentration des Treibhausgases nachhaltig senken, falls die Speicherzeiten genügend lange sind. Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat vor Kurzem einen positiven Bericht über die Sequestrierung von CO2 veröffentlicht.

Update: