Sep
16
2007
Die CVP versucht, sich für die Nationalratswahlen im Herbst 2007 als umwelt- und klimafreundliche Partei zu positionieren. Sie können sich aber immer noch nicht entscheiden, ob sie für eine wirkungsvolle Klimapolitik einstehen wollen oder nicht. Nachdem sie im März versprochen hat, bis 2022 eine Reduktion des Treibhausgasausstosses der Schweiz um 35% mittragen zu wollen, hat sie sich jetzt gegen die von SP und Grünen sowie verschiedenen Umweltverbänden lancierte Klimainitiative ausgesprochen, mit dem Argument, dass sie lieber heute statt erst in einigen Jahren, bei einem allfälligen Abstimmungskampf um diese Initiative, handeln will. Dies klingt ja alles sehr gut, nur leider haben sie ihre Klimaziele nach unten korrigiert. Dies passt natürlich schon besser zum Abstimmungsverhalten der bisherigen Jahre als die grossmündigen Versprechen, welche sich leider wiederum als Strategie zum Wählerfang entpuppen.
Es wäre viel schöner, wenn man nur auf die ignorante SVP einhauen müsste, um den klimapolitischen Turnaround zu schaffen. Leider steht auch die sogenannte erfolgreiche Mitte wirkungsvollen Massnahmen im Weg. Sie haben immer noch nicht begriffen, dass eine langfristig erfolgreiche Wirtschaft nicht ohne griffige Massnahmen im Energie- und Umweltschutzbereich (wie beispielsweise die staatsquotenneutrale CO2-Abgabe) realisiert werden kann. Klimapolitik zahlt sich erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten aus, allzu lange Zeiträume für den Vierjahreshorizont von gewählten “Volksvertretern” und allzu lange für die CEOs der der Marktlogik ausgesetzten Unternehmen. Es braucht unbedingt politische Entscheide zur Förderung alternativen Energien, zur Durchsetzung von minimalen Effizienzstandards im Geräte- und Haustechnikbereich und so weiter. Die fortschrittliche Industrie will verbindliche Standards, welche nicht in einigen Jahren schon wieder verschärft werden müssen weil dann klar wird, dass der Klimawandel doch ein ernstes Problem ist! Frühzeitiges Handeln im Sinne des Vorsorgeprinzips führt zu weniger schmerzvollen Umstellungsprozessen als Hau-Ruck-Aktionen, welche nötig werden falls wir nicht jetzt zu Handeln beginnen.
Liebe CVP, liebe Mitteparteien: Nehmen sie ihre Wahlversprechen ernst, nehmen sie die Klimaforscher ernst, helfen sie mit, zu handeln!
Comments Off | posted in Klima
Sep
14
2007
“Zuviele fremdsprachige Kinder in einer Klasse beeinträchtigen den Lernerfolg der ganzen Klasse” — klingt plausibel, oder? Es stimmt aber nicht, wie eine Studie zeigt, über welche gestern auf Tages-Anzeiger online berichtet wurde.
Einmal mehr zeigt sich, dass sich Vorurteile gegen “Ausländer”, gegen Fremdsprachige, in Luft auflösen, wenn genauer hingeschaut wird. Das Problem liegt bei der Klassengrösse, wie Lehrpersonen aus praktischer Erfahrung schon lange festgestellt haben. Die Leidtragenden zu grosser Klassen sind dabei in erster Linie fremdsprachige Kinder.
Natürlich gibt es andere, bessere Argumente, fremdsprachige Kinder gleichmässig auf die Klassen aufzuteilen. Die Integration von Migranten kann durch geschickte Gestaltung der Klassengrösse und der Sprachenverhältnisse gefördert werden. Zudem ist der Austausch auch bereichernd — statt das Fremde abzulehnen, kann früh die Relativität der eigenen Gewohnheiten, des Glaubens und der Kultur erfahren werden. Dies sind alles wichtige Erfahrungen, um sich in der säkularisierten, multikulturellen Welt von heute zurechtfinden zu können
4 comments | posted in Uncategorized
Sep
5
2007
Die Leugnung der anthropogenen Ursache der Klimaveränderung hat System: “Aussenseiter befeuern die Leugnungsmaschine”. Ich habe auch schon früher über die sogenannten Skeptiker geschrieben, auch wenn man sie besser Lügner nennen würde…
15 comments | posted in Klima
Sep
4
2007
Das Bundesamt für Umwelt gibt grünes Licht für Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Weizen in Zürich und in Pully. Einsprachen sind aber nur in Pully VD möglich, und auch nur für Leute, die höchstens 1000m vom Feld entfernt wohnen.
Dabei drängen sich mir gleich mehrere Fragen auf:
- Warum ist es nur in Pully möglich, Einsprache zu erheben, wenn Versuche auch in Zürich durchgeführt werden sollen?
- Warum ist die Einsprache nur in einem Umkreis von 1000m möglich? Wurde dabei vergessen, dass das genetische Material ohne weiteres dutzende Kilometer zurücklegen kann?
Das stinkt ziemlich nach Zwang. Falls diese Versuche tatsächlich nötig und gefahrlos wären, gäbe es wohl keinen Grund, das Einspracherecht dermassen einzuschränken. Mit dieser Bewilligung wird das Vertrauen der Menschen in die Gentechnologie kaum grösser. Zudem wurde immer noch nicht erklärt, wozu diese Versuche genau notwendig sind. Die wenigsten Menschen wollen gentechnisch veränderte Nahrung essen, wie es um die medizinischen Möglichkeiten steht, ist mir nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Gentechnologie nicht die Antwort auf den Hunger in der Welt ist. Hunger gibt es vielmehr, weil das vorhandene Essen ungleich verteilt ist, weil Kleinbauern in den Entwicklungsländern dank der Landwirtschaftspolitik und den Dumpingpreisen der industrialisierten Ländern nicht mehr existieren können und weil diese Bauern patentrechtlich gezwungen werden, jedes Jahr neues Saatgut bei Monsanto usw. einzukaufen, da es mancherorts mittlerweile illegal ist, Saatgut für das nächste Jahr aufzubewahren, wie dies während Jahrtausenden Brauch war.
Die Profitgier kennt keine Grenzen, die Grenzen der sinnvollen Anwendung von Gentechnologie hingegen scheinen mir noch immer extrem eng. Der Nutzen ist unklar, die ökologischen Kosten könnten hoch sein. Diese Freisetzungsversuche sind unverhältnismässig.
2 comments | posted in Gentech
Sep
1
2007
Schon wieder ein Text über die Klimaveränderung? Hat nicht dieser kühle Sommer bewiesen, dass das Geschrei um die Klimaveränderung reine Hysterie ist?
Leider nein.
- Ein einziger Sommer beweist gar nichts, weder ein besonders warmer noch ein besonders kühler (bei der Häufung warmer Jahre im letzten Jahrzehnt sollte man aber schon nachdenklich werden).
- Der Sommer war immer noch überdurchschnittlich warm. Das entlockt auch mir nur noch ein müdes Lachen, habe ich doch die Badehosen ebenfalls den grössten Teil der Zeit im Kleiderschrank gelassen. Der persönliche Eindruck täuscht eben manchmal. Mehr dazu gibt es auf Spiegel Online.
Ach ja, und noch etwas: USA 2006: Forscher führen Hitzewelle auf Treibhausgase zurück. Vielleicht tut sich auch in den USA langsam etwas? Es ist langsam nicht mehr zu ignorieren, dass sich das Klima am verändern ist, und dass der Mensch für diese Veränderung verantwortlich ist.
2 comments | posted in Klima
Recent Comments