Gentech-Freisetzungsversuche ohne Einsprachemöglichkeiten bewilligt?
Das Bundesamt für Umwelt gibt grünes Licht für Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Weizen in Zürich und in Pully. Einsprachen sind aber nur in Pully VD möglich, und auch nur für Leute, die höchstens 1000m vom Feld entfernt wohnen.
Dabei drängen sich mir gleich mehrere Fragen auf:
- Warum ist es nur in Pully möglich, Einsprache zu erheben, wenn Versuche auch in Zürich durchgeführt werden sollen?
- Warum ist die Einsprache nur in einem Umkreis von 1000m möglich? Wurde dabei vergessen, dass das genetische Material ohne weiteres dutzende Kilometer zurücklegen kann?
Das stinkt ziemlich nach Zwang. Falls diese Versuche tatsächlich nötig und gefahrlos wären, gäbe es wohl keinen Grund, das Einspracherecht dermassen einzuschränken. Mit dieser Bewilligung wird das Vertrauen der Menschen in die Gentechnologie kaum grösser. Zudem wurde immer noch nicht erklärt, wozu diese Versuche genau notwendig sind. Die wenigsten Menschen wollen gentechnisch veränderte Nahrung essen, wie es um die medizinischen Möglichkeiten steht, ist mir nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Gentechnologie nicht die Antwort auf den Hunger in der Welt ist. Hunger gibt es vielmehr, weil das vorhandene Essen ungleich verteilt ist, weil Kleinbauern in den Entwicklungsländern dank der Landwirtschaftspolitik und den Dumpingpreisen der industrialisierten Ländern nicht mehr existieren können und weil diese Bauern patentrechtlich gezwungen werden, jedes Jahr neues Saatgut bei Monsanto usw. einzukaufen, da es mancherorts mittlerweile illegal ist, Saatgut für das nächste Jahr aufzubewahren, wie dies während Jahrtausenden Brauch war.
Die Profitgier kennt keine Grenzen, die Grenzen der sinnvollen Anwendung von Gentechnologie hingegen scheinen mir noch immer extrem eng. Der Nutzen ist unklar, die ökologischen Kosten könnten hoch sein. Diese Freisetzungsversuche sind unverhältnismässig.
September 4th, 2007 at 12:46
Etwas mehr zu Gentech und Patenten… http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17492/1.html
October 3rd, 2007 at 14:05
[...] gibt es doch noch Protest gegen die angekündigten Gentech-Freisetzungsversuche in Zürich und Pully, wie der Tages-Anzeiger schreibt. Aus der Sicht der Rekurrenten ist die [...]