Katzen abschiessen oder Zivilisten töten?

Politiker sind entsetzt: In der Schweiz darf man laut Jagdgesetz Katzen abschiessen! Mal ehrlich: Wie wichtig ist denn dieses Thema? Mir ist ja schon bewusst, dass manche Menschen Katzen niedlich finden oder zu Tieren allgemein ein näheres Verhältnis als zu ihren Mitmenschen aufbauen können. Aber was soll die Entrüstung über “barbarische Zustände in Feld und Flur” angesichts dessen, dass auf der Welt täglich Menschen durch Krieg und Hunger umkommen?1

Gleichzeitig hat heute die letzte Verhandlungsrunde für dein weltweites Abkommen zum Verbot von Streumunition begonnen. Die Schweiz ist unverständlicherweise dagegen. Was können die Gründe dafür sein, Streumunition überhaupt zuzulassen? Die Blindgänger töten oder verletzen noch während Jahren, wenn nicht Jahrzehnten unschuldige Zivilisten, “niedliche Kinder”, welche, statt ein neues Leben aufbauen zu können, Arme, Beine oder mehr verlieren. Und die Schweiz mit ihrer (immer wieder) imaginären, grossartigen humanitären Tradition stellt sich nicht nur nicht gegen diese wirklich barbarischen Zustände, sondern macht sogar eifrig mit.

Es macht keinen Sinn, darauf hinzuweisen, dass die grössten Produzenten (und Verbraucher?) von Streumunition wie z.B. die USA, Russland, China, Israel, Indien und Pakistan nicht an dieser Konferenz vertreten sind. Das zeigt nur auf, dass diese Regierungen dem Mittelalter noch nicht entwachsen sind. Warum muss sich die Schweiz bei diesem dreckigen Geschäft beteiligen?

Man fragt sich nun, worauf die Leute eigentlich genau stolz sind, welche stolz sind, Schweizer zu sein…

1. Ja, ich bin wohl tatsächlich ein Speziezist (http://de.wikipedia.org/wiki/Speziesismus)


2 Responses to “Katzen abschiessen oder Zivilisten töten?”

  • Esther Says:

    Naja, es besteht schon noch ein Unterschied zwischen mutwilligem Töten und untätig dem Töten durch Dritte zuzusehen, selbst wenn es im einen Fall um Katzen geht und im anderen Fall um Menschen. So ein direkter Vergleich, um den Verhältnisblödsinn aufzuzeigen (was wohl deine Absicht war), macht nicht viel Sinn, weil das Ziel der Nicht-Tötung von Katzen nicht in Konkurrenz zur Nicht-Tötung von Menschen steht. Vielmehr hilft das Bewusstsein, dass auch Katzen nicht mutwillig erschossen werden sollen, der Bestrebung, dass die Schweiz nicht länger am dreckigen Geschäft mit den Kriegen anderer verdienen soll.

  • Matthias Kestenholz Says:

    Da bin ich natürlich nicht ganz einverstanden. Richtig ist, dass inhaltlich keine Konkurrenz zwischen den beiden Anliegen besteht, dass sie vielleicht sogar in dieselbe Richtung zielen. Politikerzeit hingegen ist beschränkt, ebenso die Aufmerksamkeitsspanne der Zeitungsleser. Ich hätte es lieber, wenn man sich auf zentralere Dinge beschränken würde, weis aber natürlich, dass dies nicht so einfach und auch nicht immer sinnvoll ist. (Wie häufig wurden im letzten Jahr Katzen erschossen?)

    Deine Unterscheidung zwischen mutwilligem Töten und dem untätig Zusehen scheint mir in diesem Falle unpassend zu sein. Beim Schiessen und beim Streumunition abwerfen weiss man ganz genau, was die Konsequenzen sind. Die Politik sollte dem mutwilligen Töten in beiden Fällen nicht untätig zusehen. Das Verbot der Streumunition ist aber bei weitem wichtiger als die Anpassung des Jagdgesetzes.