Wer soll die internationalen Finanzmärkte retten?

Den internationalen Finanzmärkten geht es immer noch schlecht. Meldungen über Milliardenverluste, Warnungen vor einer Konjunkturkrise, fallende Börsenkurse überall. Einige Experten geben zwar schon wieder Entwarnung, der US-Ökonom Nouriel Roubini rechnet aber mit einer Verschärfung der Finanzkrise. Er sieht nur einen Ausweg: Die US-Regierung soll marode Hypotheken aufkaufen und so die Grundlagen für eine wirtschaftliche Erholung schaffen.

Offensichtlicherweise ist der Ruf nach dem Staat als Freund und Helfer in der Not seit einigen Monaten wieder en vogue, man erinnere sich beispielsweise an den Ruf von Josef Ackermann nach mehr Staat — bei weitem kein Einzelfall.

Diese maroden Hypotheken müssten durch diejenigen aufgekauft werden, welche in den letzten Jahren geradezu freche Profite auf den Immobilien- und Finanzmärkten eingefahren haben. Warum soll jetzt aber ausgerechnet der Staat eingreifen, welcher doch — man hat es schon genügend gehört — Teil des Problemes sei, nicht der Lösung? Warum soll das Geld der Steuerzahler verwendet werden, um die Auswirkungen der masslosen Spekulation und des Konsums über die eigene Zahlungsfähigkeiten hinaus einzuschränken?

Sobald die Krise überstanden ist, wird es bestimmt nicht lange dauern, bis wieder nach “Weniger Staat – Mehr Freiheit” und nach Steuersenkungen gerufen wird. Dabei verdrängt man allzu leicht, dass der Staat nur korrigierend wirken kann, solange er handlungsfähig ist, was heisst, dass er durch Steuern Geld einnehmen muss.


One Response to “Wer soll die internationalen Finanzmärkte retten?”

  • Andreas Kyriacou Says:

    Ein vernünftiger Ansatz kommt aktuell aus Zürich – vom abtretenden Chef des Statistischen Amtes, der wahrscheinlich besser als sonst jemand weiss, wie die Vermögen verteilt sind: Eine nationale Erbschaftssteuer für Superreiche (s. Tagi).

    Es braucht zwar sicherlich eine vernünftige Lösung für die Fälle, wo das Geld in Firmen steckt (und Schutzmechanismen gegen Scheinfirmen, um solche Regeln zu umgehen), aber er wählt den richtigen Ansatz: Mehrwertabschöpfungen bei grossen Erbschaften können Exzesse bei der Geldakkumulation abfedern und dem Staat Mittel geben, um handlungsfähig zu bleiben.