Pendlerzeitung 20min lehnt Inserat gegen SVP-Initiative ab
Ich bin längst nicht der erste, welcher einen Text über dieses Thema veröffentlicht, zudem habe ich ihn nicht selbst geschrieben, sondern über das Kontaktformular meiner Webseite zugeschickt erhalten.
Die Pendlerzeitung 20min (TA-Media) ist bekannt dafür, dass sie alle noch so tendenziösen Inserate der SVP ohne mit der Wimper zu zucken abdruckt. So auch jene mit eindeutig neo-faschistischen Motiven, solche die zu Rassenhass anstacheln, und solche die mit gefälschten Statistiken operieren.
Ausgerechnet dieselbe 20min lehnt nun aber ein Inserat gegen die SVP-Initiative ab.
In seiner Annonce wollte der SGB schreiben, die SVP «zerstört den Rechtsstaat» und «erpresst eine demokratisch gewählte Bundesrätin». «Erpressung ist ein Straftatbestand, und das wollten wir nicht im Inserat haben», sagte jetzt Geschäftsführer Kohler. Stattdessen habe er die Formulierung «unter Druck setzen» vorgeschlagen. Und gegenüber dem Stichwort einer «Zerstörung des Rechtsstaates» hätte «20 Minuten» lediglich eine «Schwächung» akzeptiert. Daraus verzichtete der SGB auf die Anzeige, die aber mit den beanstandeten Worten im «Blick» erscheinen konnte. «Es ist beschämend für ein Medienhaus wie Tamedia, zu glauben, ausgerechnet die unzimperliche SVP vor einem Inserat schützen zu müssen – vor einem Inserat, das über Politik der Rechtsaussenpartei und ihrer Exponenten Klartext spricht», kommentierte SGB-Sekretär Pietro Cavadini den Vorfall.
http://www.kleinreport.ch/meldungen.phtml?gotodate=today#6Ob der Vorfall bei TA-Media zu personellen Konsequenzen führen wird wollte bei der TA-Media niemand beantworten. Sicher ist, dass seit dem Börsengang der TA-Media kein Qualitätsjournalismus mehr geboten wird und dass die TA-Funktionäre von Hartmeier bis Kohler keinen Sinn für journalistische und publizistische Verantwortung haben. Der TA-Verwaltungsrat ist mehr den je dem Share-Holder-Value verpflichtet – ein Wunder bei der fragwürdigen historischen Vergangenheit, die auf gewissen Mitgliedern dieses Gremiums lastet?
Was mit der fragwürdigen historischen Vergangenheit gemeint ist, weiss ich leider nicht. Klar scheint mir aber, dass sich die TA-Media hinter einer juristischen Argumentation versteckt, und dabei vermeidet, politisch Position zu beziehen. Ist doch auch klar, schliesslich ist das Inserate-Budget der SVP und Konsorten nicht unwesentlich, und würde vielleicht ein Loch in der Kasse^WShareholder-Value hinterlassen?
May 20th, 2008 at 09:54
Endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung bei den Inseraten von 20min !
May 20th, 2008 at 10:03
Danke für den praktisch inhaltslosen Kommentar…
May 20th, 2008 at 15:28
Ich habe sogleich mein Tagi Abo gekündigt. NZZ rules!
May 20th, 2008 at 20:20
Der Fall Moonstone Trust
Tamedia- Verleger und früheren Anwalt Pietro Supino: Er war an der Gründung eines zweifelhaften Offshore-Gesellschaft beteiligt.
Pietro Supino war der Settlor des Moonstone Trust. Als Settlor wird auf Englisch der Gründer eines Trusts bezeichnet, jener ganz besonderen Eigentumsform britischen Rechts, die im schweizerischen Gesetz nicht vorkommt.
… Konkret läuft das darauf hinaus, dass jemand sein Vermögen in einem Trust parkieren und von dessen Ertrag profitieren kann, ohne dass sein Name gegen aussen in Erscheinung tritt. Er zahlt dann fast keine Steuern mehr und kann anonym Finanztransaktionen tätigen.
http://www.woz.ch/artikel/2008/nr20/wirtschaft/16338.html
r. Pietro Supino übernahm im Mai 2007 die Funktion des Verwaltungsratspräsidenten. Er gehört seit 1991 dem Verwaltungsrat von Tamedia an und übernahm 2002 das Amt des Vizepräsidenten. Pietro Supino begann seine berufliche Laufbahn 1990 als Unternehmensberater bei McKinsey & Company, Zürich. Danach war er als Rechtsanwalt in der Anwaltskanzlei Bär & Karrer tätig, bis er 1998 Mitbegründer und Partner der Anwaltsfirma Limburg & Supino und der Private Client Partners in Zürich wurde. http://www.tamedia.ch/dyn/d/whoiswho/326136.html
May 21st, 2008 at 09:04
Oh, stimmt ja. Den Artikel in der WoZ habe ich eigentlich auch gerade gelesen gehabt, die Verbindung zur Tamedia habe ich aber entweder überlesen oder war mir einfach nicht bewusst. Herzlichen Dank für die weitere Erklärung.
May 21st, 2008 at 13:48
Zumindest ein “Mitglied” der Tamedia- Familie hat ganz offen keine Berührungsängste mit der SVP. Die SonntagsZeitung stellt sich regelmässig als Plattform zur Lancierung von SVP-Kampagnen zur Verfügung.