Nehmt das AKW Tricastin endlich vom Netz!

Wenn die Atomfans und Strombarone in Frankreich nicht so Angst vor der Schlagzeile hätten, dass ein Atomkernkraftwerk (tschuldigung, Kernkraftwerk) abgeschaltet wird, hätten sie es schon lange vom Netz genommen. Nach dieser Häufung von Zwischenfällen in den letzten Monaten ist wirklich langsam klar, dass dieses AKW nicht in verantwortungsvoller Weise weiter betrieben werden kann. Beim letzten Zwischenfall wurde der Reaktor während Wartungsarbeiten evakuiert.

Falls irgendjemand die Atomtechnologie als nötig verkaufen will, täte er gut daran, ebenfalls die Abschaltung dieses Schrotthaufens zu fordern. In der letzten Zeit gab es so viele Negativschlagzeilen, dass das Vertrauen in die Technologie ganz sicher beschädigt wurde — dies auch zu Recht.


7 Responses to “Nehmt das AKW Tricastin endlich vom Netz!”

  • Ruedi Spinnler Says:

    Ich bin versucht mir zu wünschen, dass dieser Schrott-Reaktor noch lange am Netz bleiben möge. Das wäre beste Werbung gegen ein neues AKW in der Schweiz. Aber es wäre natürlich auch ziemlich zynisch. Darum hast du mit deiner Forderung natürlich völlig Recht.

  • Konrad Hädener Says:

    Ich gehe mal davon aus, dass der Autor und der Kommentator, die sich hier in der Steigerung von „Schrott“ üben, Tricastin von innen gesehen haben und deshalb wissen, worüber sie schreiben. Ich will die Zwischenfälle dort nicht herunterspielen. Bloss so viel: Wenn den Bahnbetrieben oder Fluggesellschaften in Europa das Mass an öffentlicher und behördlicher Aufmerksamkeit zuteil würde, das Tricastin gegenwärtig geniesst, dann wären SBB und Co. wohl mindestens wöchentlich in den Schlagzeilen, ohne dass jemand ernsthaft zu Schaden gekommen wäre. Da gäbe es noch einiges an nichtnuklearem „Schrott“ stillzulegen, wenn mit gleichen Ellen gemessen würde.

  • Matthias Kestenholz Says:

    Ich bin etwas erstaunt, dass Sie, herr Hädener, das Schadenspotential eines Zugunfalls und eines Unfalls in einem AKW auf dieselbe Stufe stellen.

    Hoffentlich gibt Ihnen die Zukunft recht, und lässt ihren Kommentar nicht als tragische Fehleinschätzung stehen.

  • Konrad Hädener Says:

    Offenbar habe ich mich ziemlich missverständlich ausgedrückt. Ich hatte nicht das hypothetische Schadenspotenzial der jeweiligen Technologien vor Augen, sondern die Häufigkeit bzw. Häufung der effektiven Vorfälle, die nicht wegzudiskutieren sind. Gerade im Transportsektor sind zweifellos laufend Vorfälle von ähnlichem Schweregrad zu konstatieren wie jene in jüngster Zeit in Tricastin. Dennoch verlangt deswegen niemand nach der Stillegung der SBB oder der Deutschen Bahn – oder der Spanair, auch nach 150 Toten beim kürzlichen Absturz in Madrid nicht. Der letzte Vorfall in Tricastin beim Brennelementwechsel ist vergleichbar mit einer brenzligen Situation auf einer Baustelle. Bei ihrer Bewältigung steht der Arbeitsschutz im Vordergrund. Zu Schaden ist niemand gekommen ausser der EDF wegen des Produktionsausfalls.

    Nochmal: Ich habe effektive Häufigkeiten und Schweregrade von Vorfällen zu einander in Bezug gesetzt, nicht hypothetische GAU-Szenarien mit verschwindend kleinen Eintrittswahrscheinlichkeiten. Dass ein Tricastin-GAU gravierendere Konsequenzen haben könnte als der kürzliche Spanair-Absturz, will ich gar nicht verneinen. Dieses Potenzial hat Tricastin aber seit seiner Inbetriebnahme. Von den jüngsten Vorfällen ist es unbeeinflusst. Wenn man vorallem die GAU-Szenarien vor Augen hat, sollte man nicht die jüngsten Vorfälle zum Anlass nehmen, um nach dem Schrotthändler zu rufen.

  • Flug Says:

    Genau so sieht es aus. Grundsätzlich haben wir mit der Atomernergie ein sehr effizientes Instrumentatium. So lange die Energiegewinnung aus Atomkraft über die ganze Wertschöpfungskette hinweg ohne Gefahr, und dies sicherlich nicht nur kurzfristig, genutzt werden kann sollte sie auch nicht genutzt werden. Nun sind wir nunmal in der Situation, dass Kraftwerk bereits laufen. Dort sind die Sicherheitsbestimmungen meiner Meinung nach viel stärker zu überprüfen, denn die Sicheheit seiner Bürger steht einem Staat ganz oben auf der Pflichtenliste. In diesem Atemzug sollte man sich dann auch noch Gedanken über die Endlagerung des Atommülls machen. Wenn dies alles geregelt, nachweisbar einwandfrei, dann her mit Atomenergie!

  • Matthias Kestenholz Says:

    Ja, wenn die Arbeitssicherheit gewährleistet ist (auch dort, wo Uran abgebaut wird), wenn die Endlagerung gelöst ist und der Abfall nicht hunderttausende Jahre strahlt, wenn heutige Kraftwerke einwandfrei laufen und kontrolliert werden, dann bin ich natürlich auch für Atomenergie. Nur heisst diese Form der Energieproduktion nicht mehr Atomenergie, sondern Strom aus erneuerbaren Ressourcen. Kernkraft kann diese Bedingungen nicht erfüllen.

  • Zukunfts-Allianz Says:

    Ich denke, handeln ist wesentlich wichtiger als diskutieren. Klar, müssen wir sehen wohin mit dem Atommüll, etc. Aber die infachste Weise die AKWs abzuschalten wäre nunmal, wenn sich die Bürger auch wirtschaftlich dagegen entscheiden. Wenn beispielsweise alle Menschen, die sich in D gegen die Atomkraft aussprechen auch Ökostrom beziehen würden, müssten wir gar nicht mehr diskutieren. Mit weit über 50% der Bevölkerung würde das den Atomausstieg in D erheblich beschleunigen. Und es hätte Vorbildfunktion. By the way: Wer jetzt einwendet, dass die Kapazitäten gar nicht so schnell geschaffen werden können – der irrt! Technologisch sind bereits wesentlich effizientere Alternativen Entwickelt, sie warten quasi nur noch auf den Startschuss der breiten Masse!