Dec
18
2009
In der Blogosphäre machen wieder mal Halbwahrheiten, oder zumindest schlecht abgesicherte Aussagen über die Klimaforschung die Runde. Die neueste Behauptung ist nun, dass russische Daten verändert bzw. nur die Daten von ausgewählten Messstationen ausgewertet würden (nämlich denjenigen, welche auf eine Veränderung des Klimas hinweisen — die anderen 75% der Stationen würden dies, auch laut Manfred Messmer, nicht tun).
Ich frage mich wirklich, weshalb sich jeder Bürger imstande fühlt, qualifiziert über Klimaforschung zu sprechen. Natürlich ist es das gute Recht (und möglicherweise auch Pflicht), sich zu informieren. Eine Gesellschaft, in welcher es nur Experten erlaubt sein soll, über die jeweiligen Themen zu referieren, ist überhaupt nicht wünschenswert. Nichtsdestotrotz wäre etwas mehr Zurückhaltung angebracht, wenn es um wissenschaftlich und politisch brisante Themen geht.
Tim Lambert, ein Wissenschaftler welcher etwas mehr von Klimaveränderung und Datenanalyse verstehen sollte als ein rechtsstehender russischer Think Tank, weist darauf hin, dass seit 1950 die Daten der russischen Stationen sehr gut mit dem übrigen Wissensstand übereinstimmen:

Mehr dazu auf seinem Blog: Russian analysis confirms 20th century CRU temperatures
Was heisst das nun? Es ist für mich nicht geklärt, wer nun wirklich Recht hat. Einen wirklichen Grund, die anthropogene Klimaveränderung in Frage zu stellen, würde aber auch die russische Analyse nicht liefern. Schliesslich spricht man erst ab langen Zeitskalen und Veränderungen globalen Ausmasses von Klima.
Zum Schluss dies: Sibirien erwärmt sich, dies ist seit Jahren bekannt. Es kann also nicht sein, dass alle russischen Messstationen keine Erwärmung anzeigen würden — dies sagt die angesprochene Analyse allerdings auch nicht. Trotzdem: Wenn die Analyse zum Anlass genommen wird, die Arbeit vieler Klimaforscher zu diskreditieren und die Bekämpfung des Klimawandels bzw. seiner Folgen zu verhindern, stösst mir dies sauer auf.
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May
19
2008
Nun ist die Neuigkeit auch bis zum Spiegel durchgedrungen: Eine neue Studie prophezeit weniger Hurrikane bis zum Jahr 2100. Man muss nicht lange nachdenken, um herauszufinden, dass diese “Erkenntnisse” dem bisherigen Wissensstand zwar zuwiderlaufen, aber wenig Wissen in Frage stellen. Die Auflösung des Modells scheint mit einer Gitterauflösung von 20km ungenügend, auch sonst gibt es mit der Studie einige Probleme, welche auch durch deren Autoren selbst genannt werden. Wer sich für die genauen Kritikpunkte interessiert, kann sich z.B. auf dieser Seite weiter informieren: Climate Change and Tropical Cyclones (Yet Again).
Also, bisher gab es wenig neues, diese Blogeinträge sind immer noch aktuell, auch wenn seither schon zweieinhalb Jahre verflossen sind:
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Feb
21
2008
Klimaveränderungsskeptiker machen häufig geltend, dass unter den Wissenschaftern in den 70er Jahren ein Konsens darüber bestanden haben soll, dass eine Eiszeit auf uns zukommt. Mit diesem Beispiel wollen sie darauf hinweisen, dass die Klimaforscher nicht wissen wovon sie sprechen und ihre Meinung alle paar Jahre ändern, dass man ihre Prognosen also nicht ernst nehmen sollte.
Eine neue Studie zeigt nun, dass ein solcher Konsens nie bestanden hat. Thomas Peterson vom US-amerikanischen National Climatic Data Center hat dutzende Artikel unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass sieben Artikel eine Abkühlung vorausgesagt haben, 20 neutral waren, und dass schon damals 44 Artikel eine Erwärmung vorausgesagt haben. Die Angst über eine kommende Eiszeit bestand also weder damals noch heute. Im Gegenteil, schon damals wurde der Treibhauseffekt als einer der wichtigsten Kräfte angesehen, welche das Klima der Erde in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten verändern werden.
Weitere Infos zu Skeptikern und ihren Argumenten: Die häufigsten Argumente der Klimaskeptiker
(Via Stoat: Study debunks ‘global cooling’ concern of ’70s)
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Jan
11
2008
Auf Skeptical Science ist eine Liste der häufigsten Argumente aufgeführt, welche die Klimaskeptiker verwenden, um die z.B. im vierten IPCC Bericht veröffentlichten Aussagen anzuzweifeln.
Folgend die zehn häufigsten Argumente:
- Die Sonne ist schuld
- Das Klima hat sich auch schon früher verändert
- Es gibt keinen Konsens
- Die Messungen der Oberflächentemperatur sind unzuverlässig
- Klimamodelle sind unzuverlässig
- Al Gore hats nicht begriffen
- In den 70er Jahren wurde eine Eiszeit vorhergesagt
- CO2 läuft der Temperatur nach, hat also keinen Einfluss auf die Temperatur
- Der Mars erwärmt sich auch
- Der Klimawandel ist gut
Und so weiter!
Diese Argumente sind alle mehr oder weniger falsch. In einigen verbirgt sich ein Körnchen Wahrheit, viele beruhen aber ganz einfach auf Missverständnissen oder Unwissenheit. Zu jedem der mittlerweile 47 Punkte gibt es eine ausführliche Erklärung.
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Jan
3
2008
Laut einem Bericht auf Spiegel online haben Forscher einen natürlichen Einfluss auf das Arktis-Tauwetter identifiziert. Die Freude darüber muss ich den Klimaveränderungs-Skeptikern und den Apologeten einer den Einfluss des Menschen verneinenden Klimatheorie aber gleich wieder vermiesen:
- Die Forscher betonen selbst die Wichtigkeit des menschlichen Einflusses.
- Die aktuell beobachtbare Erwärmung ist wesentlich grösser, als dies mehrfach prognostiziert wurde. Es wurden also eher zuwenig als zuviele Faktoren der Klimaveränderung identifiziert. Die Menschheit ist nicht fein raus.
- Es wird vermutet, dass die anthropogene, also vom Menschen verursachte Komponente der Erwärmung verantwortlich dafür ist, dass die Rückkopplungsprozesse in Gang gekommen sind, welche das immer schnellere Abschmelzen der arktischen Eismassen auslösen.
- Bei der Analyse fehlen die Daten der letzten Jahre, in welchen die Erwärmung bzw. das Abschmelzen nochmals schneller fortgeschritten ist. Dies ist zwar ein wichtiger Kritikpunkt an der Studie, scheint den Befund aber eher zu unterstützen.
Abschliessend eine etwas weniger wissenschaftliche Feststellung: Es wäre doch eher erstaunlich, wenn die Skeptiker diesem Artikel mehr Glauben schenken würden als den dutzenden anderen, nur weil dieser ihren Standpunkt zu untermauern scheint.
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