Category: Klima

Entwicklungshemmer Klimawandel

Unter den hundert grössten Verliererländern des Klimawandels befinden sich fast nur arme Länder. Diese tragen wenig Schuld am Klimawandel, werden aber besonders hart getroffen. Die sozioökonomische und politische Struktur diser Länder ist zudem wenig tragfähig, so dass sie mit den sowieso schon höheren Herausforderungen nochmals schlechter umgehen können werden als wir, glückliche Einwohner von industrialisierten Ländern mit einer funktionierenden Gesundheitsversorgung, einem starken Sozialstaat und einer erfolgreichen Wirtschaft.

Wir haben eine moralische Verantwortung, den Ländern des Südens aus der Patsche zu helfen. Hilfreich sind dabei nicht Schnellschussaktionen aus Mitleid, wie sie gewisse Prominente zu verantworten haben, sondern langfristige Engagements in den betroffenen Ländern, Beseitigung der strukturellen Ungleichheiten im weltumspannenden Waren- und Finanzhandel sowie Stärkung der Frauenrechts- und übrigen Bürgerrechtsbewegungen. Das soll keine abschliessende Liste sein, aber klar machen, dass es sowohl das Engagement vor Ort als auch ein Umdenken in den Wirtschaftszentren des Nordens braucht. Die neoliberale Ideologie des Trickle-Down-Effektes hat sich als schöner klingende versteckte Umverteilung von unten nach oben herausgestellt.

Die Folgen des Klimawandels treffen dort besonders hart, wo die sozioönomischen Strukturen wenig tragfähig sind. Der Klimawandel ist nur eines der Probleme, welche die Entwicklung der armen Länder behindert — ein Problem aber, welches in Zukunft die Lösung vieler anderer Probleme schwieriger und teurer machen wird. Eine einseitige Konzentration auf die Bekämpfung des Klimawandels führt nicht zu einer besseren Welt. Das ändert aber nichts daran, dass wir auch gegen den Klimawandel antreten sollten.

Siehe dazu auch die Forderungen der EvB zur Entwicklungshilfe.

IPCC ignoriert jüngste Studien zum Klimawandel!

“IPCC-Bericht: Uno-Klimareport ignoriert jüngste Studien” ist der Titel eines Spiegel-Artikels. Aha, also doch! Wurden beim IPCC also doch wichtige Studien unterschlagen? Der Klimawandel ist also doch weniger schlimm, als uns die Klimalobbyisten weismachen wollen?

Weit gefehlt! Es ist zwar schon zu befürchten, dass der IPCC Fourth Assessment Report in zahlreichen Punkten überholt ist, aber nicht so, wie uns z.B. Dirk Maxeiner in der Weltwoche weismachen will. Mit seinen unwissenschaftlichen Unwahrheiten und Verdrehungen würde er übrigens perfekt in die Reihen gewisser neokonservativer Amerikaner passen.

Unter anderem scheint, dass nichtlineare Effekte und Rückkopplungen im Klimasystem unterschätzt, die Aufnahmekapazität gewisser CO2-Senken überschätzt wurden. Mittlerweile erscheint auch die Vorhersage des Meeresspiegelanstiegs als zu konservativ.

Ich bin froh, dass es Stimmen gibt, die sich gegen Alarmismus und Angstmacherei wehren. Warum sind diese aber allzu häufig in derselben Ecke anzutreffen wie z.B. auch die evangelikalen Wissenschaftsfeinde? Alarmismus hilft niemanden, die Probleme werden aber sicher nicht verschwinden, wenn wir die Augen schliessen. Wir haben ein Hirn entwickelt, damit wir es anwenden: Die Zukunft sicher vorhersagen kann niemand, im Sinne des Vorsorgeprinzips gäbe es heute aber längst genügend Indizien, welche Begründungen für einen schnellen und wirksamen Klimaschutz liefern.

Liebe CVP, liebe Mitteparteien, nehmt den Klimaschutz ernst!

Die CVP versucht, sich für die Nationalratswahlen im Herbst 2007 als umwelt- und klimafreundliche Partei zu positionieren. Sie können sich aber immer noch nicht entscheiden, ob sie für eine wirkungsvolle Klimapolitik einstehen wollen oder nicht. Nachdem sie im März versprochen hat, bis 2022 eine Reduktion des Treibhausgasausstosses der Schweiz um 35% mittragen zu wollen, hat sie sich jetzt gegen die von SP und Grünen sowie verschiedenen Umweltverbänden lancierte Klimainitiative ausgesprochen, mit dem Argument, dass sie lieber heute statt erst in einigen Jahren, bei einem allfälligen Abstimmungskampf um diese Initiative, handeln will. Dies klingt ja alles sehr gut, nur leider haben sie ihre Klimaziele nach unten korrigiert. Dies passt natürlich schon besser zum Abstimmungsverhalten der bisherigen Jahre als die grossmündigen Versprechen, welche sich leider wiederum als Strategie zum Wählerfang entpuppen.

Es wäre viel schöner, wenn man nur auf die ignorante SVP einhauen müsste, um den klimapolitischen Turnaround zu schaffen. Leider steht auch die sogenannte erfolgreiche Mitte wirkungsvollen Massnahmen im Weg. Sie haben immer noch nicht begriffen, dass eine langfristig erfolgreiche Wirtschaft nicht ohne griffige Massnahmen im Energie- und Umweltschutzbereich (wie beispielsweise die staatsquotenneutrale CO2-Abgabe) realisiert werden kann. Klimapolitik zahlt sich erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten aus, allzu lange Zeiträume für den Vierjahreshorizont von gewählten “Volksvertretern” und allzu lange für die CEOs der der Marktlogik ausgesetzten Unternehmen. Es braucht unbedingt politische Entscheide zur Förderung alternativen Energien, zur Durchsetzung von minimalen Effizienzstandards im Geräte- und Haustechnikbereich und so weiter. Die fortschrittliche Industrie will verbindliche Standards, welche nicht in einigen Jahren schon wieder verschärft werden müssen weil dann klar wird, dass der Klimawandel doch ein ernstes Problem ist! Frühzeitiges Handeln im Sinne des Vorsorgeprinzips führt zu weniger schmerzvollen Umstellungsprozessen als Hau-Ruck-Aktionen, welche nötig werden falls wir nicht jetzt zu Handeln beginnen.

Liebe CVP, liebe Mitteparteien: Nehmen sie ihre Wahlversprechen ernst, nehmen sie die Klimaforscher ernst, helfen sie mit, zu handeln!

Klimawandel-Leuger aufgedeckt

Die Leugnung der anthropogenen Ursache der Klimaveränderung hat System: “Aussenseiter befeuern die Leugnungsmaschine”. Ich habe auch schon früher über die sogenannten Skeptiker geschrieben, auch wenn man sie besser Lügner nennen würde…

Nachtrag zu “Es wird immer wärmer”

Schon wieder ein Text über die Klimaveränderung? Hat nicht dieser kühle Sommer bewiesen, dass das Geschrei um die Klimaveränderung reine Hysterie ist?

Leider nein.

  1. Ein einziger Sommer beweist gar nichts, weder ein besonders warmer noch ein besonders kühler (bei der Häufung warmer Jahre im letzten Jahrzehnt sollte man aber schon nachdenklich werden).
  2. Der Sommer war immer noch überdurchschnittlich warm. Das entlockt auch mir nur noch ein müdes Lachen, habe ich doch die Badehosen ebenfalls den grössten Teil der Zeit im Kleiderschrank gelassen. Der persönliche Eindruck täuscht eben manchmal. Mehr dazu gibt es auf Spiegel Online.

Ach ja, und noch etwas: USA 2006: Forscher führen Hitzewelle auf Treibhausgase zurück. Vielleicht tut sich auch in den USA langsam etwas? Es ist langsam nicht mehr zu ignorieren, dass sich das Klima am verändern ist, und dass der Mensch für diese Veränderung verantwortlich ist.