Category: Verkehr

Leserbrief über Offroad-Fahrzeuge

Leserbrief Tages-Anzeiger 8.10.2005:

Was im Artikel über den Cadillac Escalade ganz fehlt und im “Mammut-Artikel” nur am Rande und indirekt erwähnt wird: Diese schwergewichigen Fahrzeuge mit einer hohen vertikalen Front gefährden in erheblichem Masse unsere Kinder. Im Unterschied zu vernünftigen Autos erfolgt bei einem Unfall der Aufprall hier genau und mit voller Wucht im Kopf- und Herz-Lungen-Bereich, mit allen Folgen. Politische Instanzen, welche diesen Fahrzeugtyp nicht verbieten, ebenso wie Fahrer dieses Fahrzeugtyps nehmen in Kauf, dass es im Falle eines Unfalles mit einem Kind zu schwersten Körperverletzungen und Langzeitschädigungen kommt. Angesichts der Tatsache, dass kaum jemand in unserem Land diese Fahrzeuge wirklich braucht, besteht hier ein Eventualvorsatz zur schweren Körperverletzung.

Dr. med. Hansjakob Nüesch, Seuzach

Leider gibt es noch keine Klasse welcher sich die Offroad-Fahrzeuge eindeutig zuordnen lassen. Dies ist einer der wichtigen Stolpersteine mehrerer politischer Vorstösse im schweizerischen Parlament, welche sicher auch deswegen bis jetzt immer abgelehnt worden sind.

Zum grossen Gefährdungspotential für Kinder kommt noch, dass diese Fahrzeuge besonders viel Treibstoff verbrauchen und auf diese Art und Weise das Erreichen der Reduktionsziele in Frage stellen.

Natürlich gehören diese Offroad-Fahrzeuge nicht zum einzigen Fahrzeugtypen mit übermässigem Treibstoffverbrauch: Sportwagen und Limousinen sind in diesem Bereich nicht besser. Die Offroad-Fahrzeuge dienen aber als besonders geeignetes Beispiel, um die kinder- und klimagefährdenden Entwicklungen im Fahrzeugpark aufzuzeigen.

Velodemo-Teilnehmer in St. Gallen schikaniert

Soeben habe ich über das Kontaktformular der IG 22. September einen Bericht über eine misslungene Velodemonstration in St. Gallen erhalten. Der Anlass für die Demo war der internationale Tag für eine alternative Mobilität. Natürlich war die Demonstration unbewilligt, aber dieses Vorkommnis zeigt doch sehr deutlich auf, welche “Probleme” ernstgenommen werden und welche nicht: Instandhaltung von Ruhe und Ordnung um jeden Preis, auch mit der Beschneidung von Freiheitsrechten (siehe Wegweisunsartikel in mehreren grossen schweizer Städten) sind scheinbar wesentlich wichtiger statt umweltfreundlicher und sozialer Politik. Die sozialen Probleme und Umweltschädigungen verschwinden aber nicht, wenn niemand hinsieht, auch wenn es natürlich viel einfacher ist.

Eigentlich hätte ja die Stadt selbst diese Velodemonstration organisieren sollen – die Stadtbewohner selbst leiden unter dem Verkehr. Eine wahre Vertretung der Bürger (und nicht des Volkes) müsste endlich selbst handeln, und nicht die wenigen Leute bestrafen, welche für eine alternative Mobilität, für mehr Umweltschutz und eine bewusstere Lebensweise einstehen.

Dazu kommt noch: Auch wenn jemand mit der Art und Weise, wie diese Demonstration aufgezogen wurde, nicht einverstanden sein kann so müsste doch jeder sehen, dass es wenigstens an einem Tag im Jahr möglich sein sollte, die Stadt anders zu erleben. Die Strasse als Lebensraum und nicht als grosse, stinkende Gefahr; es ist möglich, und nicht nur die Stadt Bern macht es vor.

Der Bericht:

hallo liebe freunde des motorfreien verkehrs.

es ist schön zu hören, dass sich in einer stadt wie zürich 600 menschen aufmachten, um eine wirkliche alternative zum motorisierten verkehr aufzuzeigen! doch der 22. september ist vorüber, der alltag hat uns wieder eingeholt, (fast) niemand, ausser den teilnehmenden, wird sich an die gelungene aktion erinnern. tja, so ist das halt mit unser gesellschaft.. :o(

auch wir in st. gallen versuchten eine velodemo durchzuführen. das ganze stieg jedoch unbewilligt und ohne feste organisation. wir trafen uns schlussendlich nur, um gemeinsam rumzufahren. es trafen sich rund 40 personen, allgemein ein schön gemischtes grüppchen. kinder, jugendliche, erwachsene. unsere tour begann, begleitet von fahrrad-polizisten (neu eingeführt in der stadt st. gallen). schön gemütlich und breitspurig fuhren wir in der stadt herum, hinter uns autokolonnen. wieso sollten wir denn nicht breitspurig fahren? die strasse ist ja so breit. ach ja, wegen den autos ist dies so. ich habe es völlig vergessen. :)

nach einer schönen tour gelangten wir in eine eher abgelegene, unbefahrene strasse, und prompt wurden wir von der polizei eingekesselt. kastenwagen und ein sehr grosses polizeiaufgebot versperrten uns beidseitig den weg. alle teilnehmenden mussten ihre personalien angeben und werden nun wegen teilnahme an einer unbewilligten demonstration (es war ja nur eine velotour!), nötigung (wahrscheinlich von autofahrern) und benützung der strasse über den gemeingebrauch hinaus, angezeigt.

hier zeigt sich das wahre gesicht der achso umweltfreundlichen städte..

ich wollte euch nur unser schicksal mitteilen, damit ihr wisst, in andern städten wurden umweltfreundliche verkehrsteilnehmer deftig schikaniert!

trotzdem, eure aktion war super!

Erfolgreiche Velodemo für den internationalen Tag der alternativen Mobilität

Die von der IG 22. September durchgeführte Velodemo gestern Abend war ein voller Erfolg.

Mehr Strassen, mehr Verkehr, welch ein Wunder!

Der Tagesanzeiger schreibt auf der Titelseite:

Nur ein Jahr nach dem Ausbau des Bareggtunnels auf insgesamt sieben Fahrstreifen sind die Kapazitätsgrenzen bereits wieder erreicht. [...] Dies entspricht einer Zunahme von mindestens 20 Prozent seit 1999. [...]

Peter Beyeler (Aargauer Baudirektor):

Unglaublich, was im Verkehr zurzeit passiert. Wir haben am Baregg ein Jahr nach der Eröffnung bereits wieder die Situation, dass es Staus gibt wenn es zu einem Unfall kommt.

Das Einzige was daran wirklich unglaublich ist, ist die Naivität der Strassenbauer und Verkehrsplaner. Wenn die Kapazitäten von Strassen erhöht werden, nimmt die Anzahl Autofahrer solange zu, bis die Schmerzgrenze für den einzelnen wieder erreicht ist, anders gesagt, bis es wieder soviele Autos auf der Strasse hat dass die Leute lieber wieder auf den Zug umsteigen statt im Stau zu stehen. Alle diejenigen welche nach einer weiteren Alpentransversale schreien haben dies leider noch immer nicht verstanden – ich hoffe noch immer darauf, dass der Volkswille ernst genommen wird und es wenigstens nicht eine weitere Röhre (=mehr Verkehr) durch die Alpen geben wird. Der sinnlose Zuwachs des Autoverkehrs im Mittelland ist schon schlimm genug. Falls die Nachhaltige Entwicklung nicht vollends zum leeren Schlagwort verkommen soll, muss sofort eine neue Verkehrspolitik her statt den alten Verkehrsrichtplänen.

Zürichs Strassen für Velofahrer und Skater

Gerade vorhin wieder geschehen: Ich fahre mit dem Velo durch die Stadt und muss wegen einer Baustelle auf das Trottoir ausweichen. Eine Fussgängerin wettert sofort los, dass dies hier kein Veloweg sei. Nichts Wahnsinniges… nur ein weiterer Tropfen der das Radfahren in der Stadt nicht gerade zum Spass macht. Ein Postulat von Ueli Annen (SP, Illnau-Effretikon), welches gestern im Kantonsrat mit 66:65 Stimmen überwiesen wurde will dies nun endlich ändern. Die Kultur der Strassennutzung soll überdacht werden. Die darin festgehaltene Forderung nach autofreien Wochenenden kommt damit wieder zur Sprache. Die Neinsagerpartei SVP und die FDP waren natürlich dagegen, dank der SP, CVP, EVP und den Grünen muss sich die Regierung aber trotzdem mit diesem Postulat beschäftigen.